Alte Kirchenbücher als Quellen unserer Arbeit



kirchenbuecherZu den wichtigsten Quellen für den Genealogen zählen die Kirchenbücher. Sie stellen oft die einzigen Aufzeichnungen von Personen dar, da die Eintragungen unabhängig von Stand, Geschlecht und Vermögen gemacht wurden. Kirchenbücher gibt es im deutschen Sprachraum etwa ab 1530. Die Pfarrer führten diese Aufzeichnungen oft auch im landesherrlichen Auftrag. Sie sind die wichtigsten familiengeschichtlichen Quellen, da sie eindeutige Verbindungen zwischen Kindern und Eltern dokumentieren.

 

 

Geschichte der katholischen Kirchenbücher

Entgegen der weitläufig verbreiteten Meinung gab es Kirchenbücher auch schon lange vor dem Konzil von Trient (lat. Tridentum, 1545 bis 1563). So sind z.B. deutsche Taufmatrikeln aus Hammelburg (1527), Seinsheim (1539), Niederau (1534) überliefert, bekannt sind schon wesentlich ältere, z.B. Rheine (1345 vermutl.), aber leider nicht erhalten. Ebenso existieren ähnlich alte Trau- und Totenmatrikel. Die ab und an anzutreffende Behauptung, daß die Kirchenbücher eine Erfindung der Reformation sind, ist also nicht haltbar. Auf dem Konzil von Trient wurde während der dritten Sitzungsperiode auf der 24. Sitzung am 11. November 1563 das sogenannte "Tametsi-Dekret" erlassen. Es beinhaltete die Aufforderung, daß Taufen und Eheschließungen in "ein Buch" zu schreiben sind. Die Durchsetzung dieses Dekrets stieß aber auf größere Schwierigkeiten und führte zu einer erheblichen Verzögerung der Umsetzung.

 

Geschichte der evangelischen Kirchenbücher

Sie beginnt kurz nach der Reformation. Luther sah die Führung dieser "Matrikel" noch nicht in seinen Schriften vor. Vielmehr ist ihre Entstehung auf die Verfügungen der diversen regionalen Kirchenordnungen zurückzuführen, also, wie bereits erwähnt, im landesherrlichen Auftrag.

Die ältesten Eintragungen in "Matrikeln" der evangelischen Kirchen stammen aus den Jahren 1522, 1524 und 1527.

 

Die Kirchenbücher im Solmser Land

graf_konradEs ist anzunehmen, daß die 1582 mit dem Übertritt des Grafen Conrad (1540-1592) zum reformierten Bekenntnis eingeführte synodale Ordnung (sie hatte Bestand bis 1739) in entsprechenden Punkten das Führen der Kirchenbücher im landesherrlichen Auftrag veranlaßt wurde. Die ehemals katholischen Pfarrer im Solmser Land waren mit die treibenden Kräfte, die Reformation in unserer Heimat zu festigen. An ihrer Spitze die Pfarrer Johannes Zaunschliffer und Georg Schott. Es ist daher etwas verwunderlich, daß es noch einige Jahre dauerte, bis die ersten Eintragungen in Kirchenbüchern erfolgten. Die ältesten Kirchenbücher in den Kirchenkreisen Braunfels und Wetzlar (fast identisch mit dem Solmser Land) finden wir in Oberwetz/Griedelbach ab 1593 und in Braunfels ab 1600. Ob in diesem Zeitraum weitere Kirchspiele ebenfalls mit Eintragungen in Büchern begannen, ist nicht nachweisbar, denn auch in unserer Heimat gingen in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges viele Dokumente - nicht nur kirchliche - verloren. In dem Zeitraum 1618 - 1648 sind oftmals Lücken in den Kirchenbucheinträgen zu finden, da wegen kaiserlicher oder spanischer Besatzung ein Fortschreiben der Kirchenbücher nicht möglich war.

Durch das Personenstandsgesetz mit Wirkung zum 1.1.1876 verloren die Kirchenbücher ihre Funktion als offizielle Urkunden/Beweismittel für Personenstandsfälle. Das heißt, ab diesem Datum wurden alle personenbezogenen Daten von den Standesämtern erfaßt, die Kirchenbücher wurden und werden aber weitergeführt.